Hinterher!

oder auch “…ist man immer schlauer!”

Ist Jemandem in den letzten Tagen aufgefallen, das in den diversen Nachrichten und dazugehörigen Foren einmal mehr das Thema Griechenland, Schuldenschnitt und Euro hochkocht?

Interessant sind immer die Kommentare all jener, die sich nun mit tollen Tips an die Allgemeinheit wenden. Da ist von Rausschmiss die Rede, von Zwangsenteignungen, von Kontrolle des Kapitals. Meinungen die nicht mehr sozialistisch sind, Meinungen, die schon in Richtung Kommunismus tendieren. Meinungen, die von Personen kommen, die freie Meinungsäusserung (auch und gerade im Netz) als ihr unveräusserliches Recht betrachten.

Glücklich und Zufrieden mit dieser Entwicklung kann, denke ich, zur Zeit nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung sein. Und das sich etwas ändern muß, sollte auch jedem klar sein. Allerdings sind wir alle viel zu faul für eine Revolution. Dafür jammern wir schließlich noch auf viel zu hohem Niveau. Außerdem fehlt tatsächlich eine tragbare Alternative. Immer alles negativ bewerten kann zwar auch viel Vergnügen bereiten, tatsächlich konstruktive Vorschläge, aus dem ganzen Sumpf mal heraus zu kommen, gibt es jedoch keine. Wohlgemerkt, konstruktiv. Nicht idealistisch.

Jagt der Markt die Politik? Ja klar. Immer schon, außer in totalitären Systemen, die sich glücklicherweise weitestgehend von der Weltbühne verabschiedet haben. Und es gibt ja auch Staaten, die von der allgemeinen Krisenstimmung nicht oder nur kaum betroffen sind. Nordkorea zum Beispiel. Das wäre doch mal eine alternative Auswanderungslösung.

Nein, wirklich glücklich ist auch der kleine Mann nicht, wenn er die Schlagzeilen und die Wirtschaftsnachrichten verfolgt. Aber ein bißchen auf dem Teppich bleiben tut schon ganz gut. Herrn Ackermann zu verbrennen und Frau Merkel hinter einer Wand einzumauern mag attraktiv erscheinen, löst aber nicht wirklich auch nur ein Problem. Und all jenen, die laut nach der guten alten D-Mark schreien sei gesagt: Schaut mal rüber in die Schweiz. Die sind mit ihrem Franken auch nicht mehr so glücklich wie einst. Globalisierung ist eben nicht immer toll. Aber ist sie “alternativlos”?

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von der Inflation der Doktoren

Langsam stellt sich dem kleinen Mann in diesem, unserem Lande doch die Frage, ob er überhaupt noch einem Titel trauen darf. Angesichts der immer wieder reisserisch und mit großer Aufmerksamkeit der Presse verfolgten Vorwürfe des Plagiats scheint dieses Mißtrauen mittlerweile durchaus berechtigt.

Google findet derzeit (Stand 12.05.11) 4.880.000 Einträge mit oder zu diesem Stichwort. Bleibt zu hoffen, das nicht jeder dieser Einträge mit einem Titel verknüpft ist, der dann aberkannt werden müßte. Die Universitätn könnten ihrem Lehrauftrag kaum noch nachkommen, angesichts der Flut an zu überprüfendem Material.

Interessant ist auch die Frage, wieviele Leute aus jenen Personenkreisen, die dieses lustige kleine Wörtchen immer wieder schreien, überhaupt wissen, was dies konkret bedeutet – oder gar, woher es stammt. Es waren natürlich, wie so oft, die alten Römer, die das Wort Plagium – was soviel bedeutet wie Seelenraub oder Raub der Seele – prägten. Nun kann ich mir vorstellen, das in einer Zeit, in der Lesen und Schreiben keine besonders große Verbreitung hatte, die Gefahr eines unerkannten Plagiats tatsächlich immens war. Das ist vermutlich einer der Gründe, weswegen Plagiate und Plagiatsvorwürfe in letzter Zeit wieder so in Mode gekommen sind bei uns. Immerhin geht es mit der deutschen Rechtschreibung schon seit Jahren stetig bergab und – Hand auf’s Herz – lesen bedeutet für 90% der Leute dort draussen nur noch das Texte identifizieren, die unter den bunten Bildern in der Fernsehzeitung stehen.

Weiterhin faszinierend finde ich die Tatsache, das es (zumindest bisher) ausschließlich Doktoren aus dem konservativen bis liberalen politischen Lager erwischt hat. Bedeutet das nun, das die Sozis und Linken ehrlicher sind oder bedeutet es nur, das sie besser lügen?

Der Diebstahl geistigen Eigentums ist kein Kavaliersdelikt, da gibt es nichts schönzureden. Offen möchte ich an dieser Stelle jedoch lassen, ob die in den jeweiligen kopierten oder plagiierten Passagen der Doktorarbeiten Textabschnitte tatsächlich von jener Bedeutung waren für den eigentlichen Inhalt einer wissenschaftlichen Dissertation. Ich denke, jeder von uns verwendet nur allzu häufig Begriffe, Wörter, ja ganze Satzfragmente oder gar komplette Sprüche, ohne diese in irgendeiner Form kenntlich zu machen. Bin ich als Verwender eines Auspruches “Heinrich, mir graut’s vor Dir” von nun an dazu verpflichtet, “Goethe, Faust 1″ dazuzunuscheln? Und was ist mit all jenen Be- und Umschreibungen, die wir vollkommen unbewußt aus dem Zusammensein mit Anderen übernehmen?

Und was ist eigentlich mit jenem Personenkreis, der die Plagiate entdeckt? Der kleine Mann stellt sich nun einen verbitterten Altachtundsechziger vor, der mit Nickelbrille und Aussteigerpullover voller Hoffnung dutzende, hunderte, ja gar tausende von Doktorarbeiten liest. Immer in dem Bestreben, etwas zu finden, was er so schon einmal so gelesen hat.

Natürlich hat den Altachtundsechziger mittlerweile das Internet abgelöst und mit dem Internet schlaue kleine Programme, die ganze Bibliotheksbestände darauf durchsuchen können, ob sich irgendwo etwas wiederholt. Trotzdem… irgendwo in unserem Lande gibt es bestimmt eine kleine Gruppe von Verschwörern, deren Ziel der Sturz der gesamten politischen Landschaft ist. Wetten, die gehören alle zu Al Kaida?

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Zehn Jahre

Bizarr, wie sich Szenen manchmal gleichen. Gänsehaut überkommt den kleinen Mann bei jenen Bildern, die vor wenigen Tagen um die Welt gingen. Wer dort draußen erinnert sich noch an die von den Medien genüßlich breitgetretenen Bilder jubelnder Muslime nach dem Einsturz der Twin Towers und des Loches im Pentagon? Jubelnde Menschenmengen. Kinder, Erwachsene, Greise, die ihre überschäumende Freude mit Fahnenschwenken und gelegentlich auch Kalaschnikovs ausdrückten.

Und nun, beinahe zehn Jahre später? Unsere ach so aufgeklärte, progressive, fortschrittliche und vor allem westliche Welt – allen voran Uncle Sam? Jubelnde Menschenmengen. Kinder, Erwachsene, Greise, die ihre überschäumende Freude mit Fahnenschwenken und hier zumindest ohne Kalaschnikovs ausdrückten.

Osama Bin Laden ist also tot. Es sei jenen Opfern des 9/11 ein kurzes Gedenken gewidmet. Diese armen Hunde waren die, die noch am wenigsten dafür konnten – abgesehen von den Entführern jener vier Flugzuge. Ist die Welt nun besser geworden? Sicherer? Werden wir nun, da jene Schmach aus dem Gewissen der amerikanischen Bevölkerung getilgt ist, alle eine große, glückliche Familie (von dem ungeliebten Halbbruder Nordkorea mal abgesehen, der kann ja weiter am Kindertisch essen) und gemeinsam eine neue und schöne Welt aufbauen?

Mitnichten. Der kleine Mann ist und bleibt – dies betreffend – ein Pessimist. Völkerrechtlich war der Einsatz der Navy-Seals äusserst fragwürdig. Gut, das war das Lenken von Flugzeugen in Gebäude ebenso. Mit der Galeonsfigur Osama Bin Laden wurde das Schreckgespenst der Al Kaida in den westlichen Medien hochtypisiert zu einem globalen Feind, dem nur mit massiver Waffengewalt beizukommen ist. Ein weiteres, eher fragwürdiges Detail in unserer besten aller Gesellschaften. Längst jedoch hat der o.g. Saudi jene Stellung als Fürst der Finsternis nur noch auf dem Papier innegehabt. Das Morden und Töten wird weitergehen. Die unmittelbaren Rachegelüste der Amerikaner mögen für’s erste gestillt sein, aber im reinen Bodycount führt diese Nation mittlerweile haushoch. Dagegen muten die über 3.000 zivilen Opfer in New York und Washington doch sehr gering an.

Medial betrachtet ist jedoch ein brennend einstürzendes Hochhaus mit 110 Stockwerken deutlich eindrucksvoller, als vor sich hin qualmende Lehmhütten am Hindukusch.

Wenn Auge um Auge und Zahn um Zahn die biblische Vorgabe der letzten verbleibenden Supermacht ist, dann dürften in den kommenden Jahren eine Menge amerikanischer Augen und Zähne fällig sein. Blöd nur, das dies Al Kaida ähnlich sehen wird, womit die Spirale der Gewalt eine weitere Drehung macht.

Unmenschlich? Leider nein. Die Geschichte lehrt uns, das dieses nur allzu menschlich ist!

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Radioaktiv

Oder: von der medialen Angstmaschine überrollt zu werden.

Ja, danke. Ich nehme gerne ein wenig Spinat zu meinem Cäsium! Darf es noch ein Tässchen Jod sein?

Stellen Sie sich vor, aus dem japanischen Meer her schwimmt eine ganze Flotte hochradioaktiv verseuchter Frachter auf die Festung Europa zu. Eine gewaltige Armada, deren einziger Sinn und Daseinszweck die vollständige Auslöschung allen menschlichen Lebens auf diesem Planeten ist. Eine Invasionsflotte, gegen die sich die dreibeinigen Marsianer Wells ausnehmen wie eine Stechmückenplage!

Unglücklicherweise ist Japan ja nun auch als die Kornkammer der Welt bekannt. Glaubt man den Berichten der (meist privaten) Massenmedien, decken japanische Lebensmittelimporte rund 7/8tel unseres täglichen Nahrungsmittelbedarfes ab. Es besteht also akuter Grund zur Sorge. Zumindest für jene Teile der Bevölkerung, die mit dem sagrotangetränkten Lappen in der Hand selbst die Ärsche ihrer Babys abwischen!

Nicht, das wir uns falsch verstehen: was zur Zeit in Japan vor sich geht, speziell in der Region Miaki und um das AKW Fukushima 1, das ist kein Kindergeburtstag. Und es steht zu befürchten, das es sich zu einer der größten nuklearen Katastrophen der Welt auswächst. Warum es ausgerechnet wieder die Japaner trifft, jene ohnehin von Hiroshima, Nagasaki und Godzilla heimgesuchte Nation, bleibt wohl nur dem äusserst bizarren Humor einer nicht eben besonders gütigen Gottheit zuzuschreiben.

Dennoch, die mediale Berichterstattung lässt einen halbwegs neutralen und vor allem informierten Beobachter fassungslos und mit offenem Munde staunend zurück. Längst haben sich sämtliche Nachrichtenformate der privaten Sender auf ein Niveau herabgesenkt, das seit Jahrzehnten der größen deutschen Boulevardzeitung vorbehalten war. Hier werden – aus welchem Grunde auch immer – Ängste geschürt. Hier wird ganz gezielt mit einer extrem einseitigen Berichterstattung eine ganze Nation in Schreckstarre versetzt.

In einem Lied der Gruppe “die Ärzte” heißt es so schön, die Bildzeitung bestehe nur aus Angst, Haß, Titten und dem Wetterbericht. Schaut man sich die Nachrichtenformate der privaten Fernsehsender an, so ist der einzige Unterschied zu jener eben erwähnten Zeitung meist nur der (beliebig austauschbare) Redakteur, der die (Achtung Neudeutsch:) News verliest. Achja, und Titten gibt es erst nach 20:00 Uhr.

Dazu gesellt sich nun die unsägliche (und zum x-ten Male stattfindende) Diskussion um den Atomaustieg. Jetzt finde ich per se ein AKW im Vorgarten weder optisch besonders repräsentativ, noch befürworte ich eine Technologie, die uns nach ihrer Nutzung mehrere hundertausend Jahre strahlende Zeiten beschert. Interessanterweise finden sich zu diesem Thema nun auch Expertenmeinungen unterschiedlichster Couleur, was den realistischen Zeitrahmen betrifft, zu dem ein Ausstieg tatsächlich möglich ist. Die Meinungen variieren dabei natürlich je nach Auftragslage und Geldgeber – welcher Hund pinkelt schon an die Laterne, die er anheult?

Ein bißchen mehr Ehrlichkeit in diesen Zeiten, wäre das nicht schön? Wäre es nicht nett, wenn unsere gewählten Volksvertreter mal nicht ausschließlich eigene Machtdünkel und die Interessen der oberen Zehntausend vertreten würden? Ich nehme bei diesem Rundumschlag keineswegs eine Farbe im Parteiensprektrum aus – manch Laterne ist durchaus rot oder grün gestrichen.

All diese Diskussionen sind ja glücklicherweise bald Makulatur. Sobald uns die radioaktive japanische Invasion überrollt hat, werden wir alle ohnehin binnen kürzester Zeit unser Leben aushauchen und als gräßliche mutierte Wesen über jene Reste unserer Zivilisation herrschen, die nicht von japanischem Blattspinat in Trümmer gelegt wurde!

In diesem Sinne: lieber radioaktiv als fernsehmüde!

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Seltsam!

Ich erinnere mich schemenhaft an den vergangenen Herbst. An die endlosen Diskussionen betreffs der Laufzeitverlängerung unserer Atomkraftwerke. An Brennelementesteuer und Mehreinnahmen der Stromkonzerne in Milliardenhöhe. Dabei ging es um Geld. Um viel Geld. Eigentlich ging es sogar nur ums Geld, denn die Einwände gegenerischer Fraktionen wurden ja mehr oder weniger nonchalant übersehen. Ja, es wurden sogar die Einwände des aus den eigenen Reihen stammenden Umweltministers mit einer Chuzpe übergangen, die schon an Arroganz grenzte. Das unsere Kraftwerke sicher sind, stand ja vollkommen außer Frage. Immerhin sind wir Deutschland! Hallo? Bei uns geht nichts kaputt. Jedenfalls nicht vor Ablauf des Garantiezeitraums.

Versteckt wurde diese ganze Geldmaschinerie hinter dem sehr lustigen Wort “Versorgungssicherheit”. Damit wir eben auch morgen noch kraftvoll zubeissen… nein, jederzeit Strom aus unserer Steckdose zapfen können. Ein hehres Unterfangen, lobenswert und natürlich ganz im Sinne unserer elektrifizierten Gesellschaft.

Jetzt werden sieben ältere Kraftwerke quasi sofort vom Netz genommen und die übrigen erstmal überrpüft. Bezogen auf die Aussagen, die gerade mal ein knappes halbes Jahr alt sind, bedeutet dies also zwangsläufig, das keine Versorgungssicherheit mehr gegeben ist. Müssen wir also alle fürchten, das unser Kühlschrank plötzlich aussetzt? Das beim Druck auf den Knopf der Rechner/Fernseher/Mikrowellenherd nicht mehr anspringt?

Laut Aussage des BDI ist die Versorgungssicherheit nicht gefährdet. Nicht nach dem Herunterfahren der sieben älteren Kraftwerke und auch nicht nachdem die übrigen AKW’s vom Netz genommen werden. Irgendeiner lügt hier doch, oder?

Richtig interessant wird’s jetzt: das im Bundeshaushalt die Brennelementesteuer ja fest vorgesehen und eingeplant ist – und ich nicht damit rechte, das unsere Regierung auf einmal zugesagtes Geld einfach so verzichtet, muß die Kohle ja woanders herkommen als von ausgedienten und steuerlich längst abgeschriebenen Kernkraftwerken. Die Überschüsse der großen Stromkonzerne bewegen sich ja leider nur im Kleingeldbereich, weswegen ziemlich sicher damit zu rechnen ist, das sich die Strompreise erhöhen werden. Dann ist also die Brennelementesteuer tatsächlich wieder eine Endverbrauchersteuer.

Das hätte man auch direkt aus unserem Geldbeutel klauen können! Sonst sind unsere Regierungen ja auch nicht so schüchtern.

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Unsäglich

Kaum Jemand, der außer dem nachmittäglichen Arbeitslosen-TV oder der neuesten Staffel Bohlens Profilierungsshow auch gelegentlich in Informationssendungen – welchen Formats auch immer – reinschaltet, kann den Bildern entgangen sein, die seit Freitag auf uns einprasseln und dem geneigten Betrachter buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren lassen. Dazu an dieser Stelle mein Mitgefühl für die betroffene japanische Bevölkerung.

Unsäglich wird nun allerdings, was aus diesen Bildern geboren wird in unserer ach so schönen, heilen – und atomgetriebenen – Republik. Der Tsunami hat das japanische Festlanfd noch gar nicht ganz erreicht, da geifert eine Frau Roth bereits los. Immerhin hat sich Herr Gabriel zurückgehalten und das Leiden der Japaner vor eine politische Diskussion gestellt. Damit hat er sich durchaus meinen Respekt verdient. Wenige deutsche Politiker können dies in diesen Tagen von sich behaupten. Auch die Beschwichtigungen aus dem Regierungslager ändern daran nur wenig.

Nun wird also unsere Atompolitik in Frage gestellt, während in Japan Menschen sterben. Da gerät das Augenmaß ein wenig aus den Fugen. Das eine Diskussion geführt werden muß, steht außer Frage. Und das Risiken neu bewertet werden müssen, ebenso. Allerdings bitte ich zu beachten, das sich unser Land nicht wirklich auf dem pazifischen Feuergürtel befindet und sich die Erdbebengefahr im Großen und Ganzen doch in sehr überschaubaren Grenzen hält. Deutschland ist eben nicht Japan – und die Achse Berlin-Rom-Tokyo ist nicht nur Geschichte, sondern zudem auch nur eine politische gewesen!

Es ist schlimm, was in Japan vor sich geht. Als schlimmer noch jedoch empfinde ich, das die unermesslichen Zerstörungen, der Verlust an Hab und Gut und nicht zuletzte die vermutlich in die Zehntausende gehende Anzahl der Toten medial in den Hintergrund rückt, angesichts des drohenden GAU. Erinnern wir uns an die Bilder von 2004 oder – für all jene, deren Gedächtnis doch die DSDS-Sieger besser in Erinnerung behält als die wichtigen Ereignisse auf dieser Welt – die erschütternden Bilder aus Haiti im vergangenen Jahr. Jammernde und weinende Menschen, die eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst haben. Allerdings haben Thailand und auch Haiti keine Atomkraftwerke. Anstelle eines eingeblendeten Spendenkontos erhalten wir nun jedoch die Gesichter und Meinungen einer Vielzahl von Experten, die alle viel besser Bescheid wissen über das, was in den japanischen Atomkraftwerken vorgeht als die Japaner selbst. Hier gerät das Augenmaß schließlich komplett in Schieflage.

Es ist beeindruckend, mit welch stoisch wirkender Ruhe und Gelassenheit die japanische Bevölkerung diese Katastrophe annimmt. Und doch, vielleicht würden Tränen und Jammern unser aller Aufmerksamkeit wieder auf das lenken, was in diesem Moment am wichtigsten ist: Mitgefühl, Hilfe und der Wille, gemeinsam wieder aufzubauen, was niedergerissen wurde.

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Leitkultur?!

Bayern, jenes traditionell etwas konservativere Bundesland in unserer ach so herrlichen Republik, hat mal wieder den politischen Aschermittwoch zelebriert. Nun sind wir ja polemisierende, geifernde Aasgeier auf den Bänken unserer Regierungen gewohnt, sei es auf Landes- oder Bundessitzbänken. Ebenso, wie wir leider mittlerweile gewohnt sind, das der verbale Schlagabtausch sich auf das Niveau der führenden Boulevardzeitung unseres Landes hinabbegeben hat. Dennoch hat Herr Horst Seehofer, seines Zeichens CSU-Vorsitzender und Landeschef der bayrischen Regierung, in seiner Rede ein nettes Wörtchen gebraucht, das nun einmal mehr für Unstimmung sorgt.

Das Bekenntnis zur deutschen Leitkultur ist also gefordert. Auch und vor allem von Migranten. Diese Wortwahl ist tatsächlich ein wenig verunglückt. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen – das hatten wir schonmal und die Sache ist ziemlich gründlich in die Hose gegangen. Auch wenn das einige Herrschaften noch immer fleissig leugnen, aber das ist ein anderes Thema.

Deutsche Leitkultur. Was ist das eigentlich? Die Definiton fällt schwer. Kaiser, Volk und Kolonien? Eher nicht. Bach, Brahms, Beethoven? Könnte hinhauen, aber dann müssen eine Menge mehr Personen als nur Migranten viel lernen. Lady Gaga vs. Händel.

Was also ist deutsche Leitkultur? Unsere Sprache, die mehr und mehr den Bedürfnissen einer modernen und globalisierten Welt angepasst werden muß, damit voll Anglizismen ist und – sobald man sich unserer Sprache etwas gewählter bedient – auch noch randvoll ist mit Latein und Griechisch? Sind wir also alles kleine verkappte Italiener oder griechische Philospohen? Schlimmer noch, wir verwenden arabische Zahlen in allen Belangen unseres täglichen Lebens. Sind wir also am Ende gar alle Araber?

Fleiss und Ordnung! Das ist doch urdeutsch. Die freiwillige Unterordnung, das Ducken vor der Obrigkeit und natürlich das qualitativ hochwertige Schuften für den Gipszwerg im Vorgarten. Ist also das Bekenntnis zur deutschen Leitkultur das Bekenntnis, den Kopf einzuziehen und die Klappe zu halten? Und wenn es an dem ist, wo bleibt dann das Bekenntnis dazu von unseren Herren (und Damen) Politikern? Wäre es nicht hinreissend, wenn diese mal gelegentlich die Klappe halten und einfach nur ihren Job machen würden?

Niemand – oder zumindest nicht ich – möchte Herrn Seehofer nun rechte Tendenzen unterstellen. Auch wenn ich persönlich die CSU und manche ihrer Mannen für stellenweise reaktionärer halte als manches braune Parteigesindel. Und damit deutlich gefährlicher, denn im Gegensatz zu DVU und NPD genießt die bayrische Schwesterpartei der CDU nationale Anerkennung. Aber auch das ist ein anderes Thema. Tatsache bleibt, das die Wortwahl der deutschen Leitkultur irgendwie echt schwierig zu definieren ist. Zudem – und auch hier möchte ich dem Herrn Innenminister ebenso wie dem Herrn Ministerpräsidenten energisch widersprechen – ist es vermessen, Deutschland noch immer ausschließlich auf seine christlich-jüdische Tradition hin zu reduzieren. Die Nichtanerkennung andersdenkender Menschen und ihrer Traditionen und Religionen und deren Einfluß auf den Wandel in unserer Gesellschaft birgt Risiken. Und ist zudem tatsächlich nicht nur konservativ, sondern schlicht blind.

Jeder definiert seine Leitkultur anders und für sich selbst. Zweifelsfrei braucht es – wie überall – den kleinsten gemeinsamen Nenner und dieser ist in der Völkerverständigung nunmal die Sprache.

Anpassung tut Not. Das gilt aber in beide Richtungen.

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